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Mein lieber Sohn!

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 (2011) (2011)

Jost Lemmerich (Hrsg.); Max von Laue; Theodor H. von Laue
Mein lieber Sohn!
Die Briefe von Max von Laue an seinen Sohn Theodor in den Vereinigten Staaten von Amerika 1937 bis 1946
(BBGNT – Berliner Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, Band 33)
359 Seiten, 7 Abb., Pb., 25,50 Euro (2011, 17×24 cm)
ISBN 978-3-86225-062-2
Berührende Zeitdokumente des Physikers und Nobelpreisträgers auch über Fragen der Weltanschauung und Religion in Nationalsozialismus, Krieg und im zerstörten Deutschland.

 

Vorworte

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Vorwort der Familie

Behutsam blättere ich durch die auf dünnem, mittlerweile vergilbtem Papier verfassten Briefe, die Max von Laue und sein Sohn Theodor in den Jahren 1937 bis 1946 austauschten und deren Edition jetzt vorliegt. Es berührt mich, Theodor in seinen Briefen neu kennenzulernen, meinen Großonkel, der mich auf Reisen durch die USA mitnahm und dem ich als Jugendlicher und Student viele Anregungen verdankte. In seinen Beschreibungen aus der Studentenzeit in Princeton deutet sich seine umfassende Bildung, die historische Perspektive seiner Weitsicht, seine gelebte Toleranz bereits an.

Der Schwerpunkt dieser Briefedition liegt jedoch auf den Texten Max von Laues, die er für seinen Sohn verfasste. Anrührend ist das Einfühlungsvermögen, mit dem der Vater den Lebensweg des Sohnes begleitet. Immer wieder erwähnt Max von Laue seine Sorge vor der sich durch die Zeitereignisse abzeichnenden Trennung, aber er versichert ihm auch seine väterliche Zuneigung über alle Grenzen hinweg. Auch meinen Urgroßvater lernte ich in diesen Dokumenten neu kennen und gewann Einblicke in sein Denken, seine Überzeugungen, seine Sorgen, die ihn in diesen so außerordentlich schwierigen Jahren des Nationalsozialismus und des Krieges bewegten. Die Klarheit und Eindeutigkeit seiner Worte nötigen mir Respekt ab. An einigen Stellen finden sich briefliche Dialoge zu Fragen der Weltanschauung und der Religion. Hier tritt Max von Laue in seiner ganzen ethischen Überzeugungskraft in Erscheinung. Darüber hinaus enthält der Briefverkehr eine Fülle zeitgeschichtlicher Informationen und bedrückender Details aus dem Leben unter den Bedingungen der Diktatur. Eingeflochten in die Texte sind Hinweise auf verfolgte Freunde, Kollegen und Mitbürger, es werden Namen umschrieben, Sachverhalte aus Gründen der Zensur nur angedeutet. Damit repräsentiert dieser Briefwechsel ein zeithistorisch bedeutsames Dokument, das das Bild der Persönlichkeit Max von Laues als Wissenschaftler und Mensch um wesentliche Facetten ergänzt und erweitert.

Herrn Jost Lemmerich sei im Namen der Familie sehr herzlich dafür gedankt, dass er mit viel Liebe zum Detail und behutsam formulierten Anmerkungen die Herausgabe dieses Briefverkehrs ermöglicht hat. Seine Initiative ermöglichte es, diese Texte der interessierten Leserschaft zugänglich werden zu lassen.

Christian Matthaei, Mai 2010

Vorwort und Danksagung

Max von Laue hat 1944 eine kurze wissenschaftliche Selbstbiografie1 geschrieben, die auch einige sehr persönliche Passagen enthält. Die Bedeutung von Max von Laue für den Wiederaufbau der deutschen Wissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ist von Katharina Zeitz2 in ihrer Dissertation ausführlich dargestellt worden. Doch bisher liegen nur kürzere und längere Aufsätze, aber keine Biografie über den Menschen Max von Laue vor. Der Briefwechsel von Laues mit Lise Meitner in den Jahren 1938–1948 aus dem Beständen des Churchill Archives Centre wurde 1998 veröffentlicht.3

Das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft erhielt aufgrund einer testamentarischen Verfügung von Theodor von Laue (1916–2000)4, dem Sohn von Max von Laue, 2001 ein Konvolut der Korrespondenz zwischen ihm und seinem Vater, der Mutter und der jüngeren Schwester sowie Freunden in Deutschland. Diesen Bestand benutzte auch Katharina Zeitz für den biografischen und wissenschaftlichen Teil ihrer Arbeit durch zahlreiche Zitate.

Eine vollständige Ausgabe der Briefe von Max von Laue an den Sohn von 1937–1941, dem Kriegsbeginn mit den USA und dann 1945–1946 ist dennoch von Interesse, denn sie zeigen einen vielseitigen und intensiven Briefschreiber. Der Themenkreis ist weit gespannt. Anders als im Briefwechsel mit Lise Meitner werden das eigene wissenschaftliche Werk und die Aktivitäten der Physiker in Berlin nur sehr kurz erwähnt, wie auch die damals aktuellen Fragen der Physik. Dafür zeigt die Korrespondenz den Gegner des nationalsozialistischen Systems und seiner Führung, der verklausuliert dem Sohn Ereignisse und seine Meinung mitteilt. Doch darüber hinaus spürt man, wie der Vater einfühlsam dem Sohn seine Erkenntnis vermittelt, wie man sein Leben zu führen hat. Es werden religiöse Fragen ebenso wie historische Tatbestände im Zeitbezug behandelt. Die Klassiker werden häufig zitiert, wenn es gilt, eine Aussage zu präzisieren. Max von Laue bemerkt in seiner Selbstbiografie zum Schreiben:

„Das Zeugnis bemerkt bei Deutsch: ‚Laue hat sich den Anforderungen des deutschen Unterrichts gewachsen gezeigt und mitunter gute Leistungen aufgewiesen. Sein geistiger Bildungsstand ist höher, als seine Fähigkeit in schriftlichem und mündlichem Ausdruck. Der Prüfungsaufsatz fiel genügend aus.‘ Das ist nur richtig. Schillers Seufzer: ‚Spricht die Seele, so spricht, ach, schon die Seele nicht mehr‘.“

Seine Briefe an den Sohn zeigen das in keinem Fall! Sie sind Zeugnisse einer hohen Kultur im Ausdruck.

Die erhaltenen Briefe von Magda von Laue an den Sohn behandeln überwiegend Ereignisse in der Familie und Verwandtschaft sowie Nachbarschaft. Mehrfach werden sehr private Angelegenheiten erwähnt, sodass sie für eine Publikation nicht infrage kommen. Das gilt auch für die Briefe der Schwester Hilde.

Die oft ausführlichen Beschreibungen von Theodor von Laue über sein Leben in den USA und seine Antworten auf die Briefe der Eltern wurden aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeit nicht aufgenommen. Sie hätten den Umfang der Publikation zudem auch ganz erheblich erweitert. Die notwendige Kommentierung des Lebens des Studenten, des Universitätslebens und die Bedeutung der in den Briefen erwähnten Personen hätte große Schwierigkeiten bereitet.

Wenn es zum Verständnis der Korrespondenz von Max von Laue mit dem Sohn unbedingt notwendig erschien, den Inhalt des Briefes des Sohnes zu kennen, wurde das im Kommentar und mit einer auszugsweisen Zitierung berücksichtigt. Ebenso wurde der Briefwechsel Max von Laues mit Lise Meitner herangezogen.

Zusätzlich zu den Briefen wurden Unterlagen aus den folgenden Archiven verwendet:

  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Archiv  BBAWA
  • Bundesarchiv Berlin  BA
  • Churchill Archives Centre, Churchill College Cambridge  CAC
  • Deutsches Museum München Archiv  DMA
  • Deutsche Physikalische Gesellschaft Archiv Berlin  DPGA
  • Humboldt-Universität Berlin Universitätsarchiv  HUA
  • Max-Pianck-Gesellschaft Archiv Berlin  MPGA
  • The National Archives Kew, England  TNA
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Handschriftenabt.  NSTUBH
  • The Royal Society Archiv London  RSA.

Ich danke den Archiven für die Genehmigung der Zitierung aus den entsprechenden Beständen sowie: The Master, Fellows and Scholars of Churchill College Cambridge and the Churchill Archives Centre on behalf of the Meitner family für die Genehmigung der Zitierung aus ihren Beständen.

Herzlich danke ich Herrn Christian Matthaei und seinen Verwandten, insbesondere Frau Angela von Laue, die die Briefe zugänglich gemacht hat.

Herrn Ralf Hahn M.A. und Herrn Prof. Dr. Heinz Lübbig, ebenso Herrn Dipl. Archivar Dirk
Ullmann danke ich für die sorgfältige Durchsicht des Manuskripts und Hinweise auf Verbesserungen.

Herrn Dr. Rudi Mechthold, Coburg, danke ich für die Suche nach Rückerts Gedicht „Pharao“.

Frau Dipl. Bibl. Susanne Übele danke ich für die Bereitstellung der Abbildungen.

Frau Urte von Bremen und Frau Ele Joswig haben das Manuskript einer eindrucksvollen Endkorrektur unterzogen und ein schönes Layout gefertigt. Vielen Dank dafür.

Dem Verleger, Herrn Edgar Swinne, danke ich herzlich für die Aufnahme des Buches in die Reihe „Berliner Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik“.

Anmerkungen:

1 Laue, Max von: Mein physikalischer Werdegang. In: Hans Hartmann, „Schöpfer des neuen Weltbildes“. Hamburg, Berlin 1952; sowie: Max von Laue: Gesammelte Schriften Bd. III. Braunschweig 1961, V–XXIV.
2 Zeitz, Katharina: Max von Laue (1879–1960). Seine Bedeutung für den Wiederaufbau der deutschen Wissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Berlin 2006. Dort weitere Angaben zu den biografischen Aufsätzen.
3 Lemmerich, Jost (Hrsg.): Lise Meitner–Max von Laue Briefwechsel 1938–1948. Berlin 1998.
4 MPGA III Abt., Rep. 50 Nr. 7/1 Nachlass Max von Laue, Nachtrag 7 Mappen 1–7 (1937–1946).

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