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Lebenswerk Welterbe

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 (2020) (2020)

Norman Pohl; Michael Farrenkopf; Friederike Hansell (Hrsg.)
Lebenswerk Welterbe
Aspekte von Industriekultur und Industriearchäologie, von Wissenschafts- und Technikgeschichte
Festschrift für Helmuth Albrecht zum 65. Geburtstag

478 Seiten, 45 Farbabbildungen, 9 Tabellen, Gb., 39,80 Euro
ISBN 978-3-86225-120-9
Perspektiven deutscher Technikgeschichte und Industriekultur in 39 Beiträgen.

 

Einführung

Von Norman Pohl, Michael Farrenkopf und Friederike Hansell

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Die deutsche Wissenschaftslandschaft befindet sich in einer tiefgreifenden Phase des Wandels. Sicherlich ist dies weder die erste noch die letzte.

Das Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (IWTG) unter der Leitung von Prof. Dr. Helmuth Albrecht behauptet sich seit über zwei Jahrzehnten erfolgreich in dieser Landschaft, die geprägt ist durch die Förderung europäischer Forschungsverbünde und Forschungscluster, durch den politischen Willen der deutschen Bundesebene, sich unmittelbarer in der Gestaltung des Hochschulwesens zu engagieren, durch die politisch geforderte wie geförderte Ökonomisierung der Einrichtung „Universität“, durch die Zersplitterung des Studienangebots in Klein- und Kleinststudiengänge, ohne dass ein „europäischer Hochschulraum“ tatsächlich entstanden wäre, durch das drohende Absinken einer einstmals auf die Erlangung eines wissenschaftlichen Niveaus ausgerichteten Hochschulausbildung auf das Level einer höheren Berufsfachschule, durch die – leider ebenfalls politisch gewollte – Aufweichung der Aussagefähigkeit universitärer Abschlüsse – inzwischen bieten Berufsakademien einen Bachelorabschluss an, dort als Lehrer tätige Personen mit einem Ausbildungsabschluss des Handwerks führen den Titel „Professor (Berufsakademie)“ – und durch die sichtbar werdende, fehlende Gesamtverantwortung von Bund, Ländern und Universitäten für den Erhalt der inzwischen so bezeichneten „kleinen Fächer“, vormals als Orchideenfächer – schön, aber selten – charakterisiert.

Diese Liste ließe sich noch weiter verlängern. Bezeichnend für den Erfolg des IWTG und seines Institutsdirektors in diesem schwierigen bzw. anspruchsvollen Umfeld sind die überaus ertragreichen Bemühungen zur Einwerbung der so bezeichneten Drittmittel, die dem Lehrstuhl für Technikgeschichte und Industriearchäologie seit Jahren nicht nur einen Spitzenplatz im Ranking der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU Bergakademie Freiberg sichern und die beim Blick auf diese Kennzahl vor allem in den letzten Jahren auch den Vergleich mit ingenieur- und naturwissenschaftlichen Lehrstühlen nicht zu scheuen brauchen, wobei diese einerseits personell wesentlich besser ausgestattet sind und andererseits auch die eingeworbene apparative Ausstattung zur Anrechnung bringen können. Die kontinuierliche Beteiligung der Angehörigen des Instituts an der akademischen Selbstverwaltung wie auch ihre Mitwirkung in universitätsexternen Wissenschaftsstrukturen, die Organisation des Studium-Generale-Angebots der TU Bergakademie Freiberg, die Wirkung in die Stadtgesellschaft Freibergs hinein durch ein vielfältiges Angebot an Diskussionsforen, aber auch der Einsatz für den Erhalt des kulturellen Erbes, gekrönt durch die Zuerkennung des Welterbetitels für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí sind hier nur kursorisch zu erwähnen, und sie korrespondieren nicht zuletzt auch mit dem weltweiten Engagement von Helmuth Albrecht: In Freiberg daheim, in der Welt zu Hause. Dass sich auch die verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften bei ihren Veranstaltungen in Freiberg über die Jahre hinweg gleichsam daheim fühlen konnten, wie die seinerzeitige Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik e.V., die Gesellschaft für Technikgeschichte e.V., der Gesprächskreis für Technikgeschichte, mehrfach die Georg-Agricola-Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur e.V., The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage (TICCIH) oder die Gesellschaft für Universitätssammlungen e.V., sei nur am Rande erwähnt.

Der seinerzeitige Rektor der TU Bergakademie Freiberg, Magnifizenz Prof. Dr. Georg Unland, später auch Sächsischer Staatsminister für Finanzen, charakterisierte während seiner Amtszeit die alma mater fribergensis als Universität ohne Geisteswissenschaften. Dieser Widerspruch in sich konnte auf den ersten Blick nur deshalb Plausibilität entfalten, weil die Industriearchäologie in dieser Betrachtung zu den Ingenieurwissenschaften zählte. Dafür spricht allerdings, dass die Technikgeschichte Freiberger Prägung und eben gerade auch die Industriearchäologie in den sich wandelnden angebotenen Studiengängen natur- und ingenieurwissenschaftliche Methoden in die Bearbeitung geisteswissenschatlicher Fragestellungen aufnahm, ob diese aus der Pflege technischer Denkmale, der historischen Innovationsforschung, der Umweltgeschichte oder auch der Museologie resultierten – die Mitgliedschaft des Institutsdirektors im Interdisziplinären ökologischen Zentrum der TU Bergakademie Freiberg kommt nicht von ungefähr. Geisteswissenschaftliche Projekte mit historischen Methoden zu bearbeiten und entsprechende Fragestellungen zu lösen, blieb davon unberührt. Möglich wurde die Vielfalt und Vielzahl von Projekten und Forschungsansätzen vor allem durch die Offenheit von Helmuth Albrecht gegenüber innovativen Ansätzen, methodischen Weiterentwicklungen, aber auch durch das freundliche wie konsequente Beharren auf dem Eigenwert historischer und geisteswissenschaftlicher Forschung in einem ingenieurwissenschaftlich und hauptsächlich montanistisch geprägten Umfeld.

Abzulesen ist dies nicht nur an der hier am Ende des Bandes beigegebenen Publikationsliste des Jubilars, sondern ebenso an der thematischen Breite der für die industriearchäologische Ausbildung zentralen Projektseminare, die sich immer wieder verschiedenen industriellen Standorten von kultureller wie technikhistorischer und denkmalpflegerischer Bedeutung zuwandten. Prägend in den verschiedenen Studiengängen waren auch die angebotenen Exkursionen, die bei einer Dauer von mehrheitlich fünf Tagen alternative thematische Problemlösungszugänge eröffneten und vielfach darüber hinaus die Möglichkeit für die teilnehmenden Studentinnen und Studenten boten, an der ersten wissenschaftlichen Tagung des Lebens teilzunehmen. Die beigegebene, von Franz Dietzmann erstellte Übersicht verzeichnet Inhalt und Verlauf der Veranstaltung nur kursorisch, da eine detaillierte Beschreibung den vorgegebenen Rahmen sprengen würde. Der Vielzahl der im Rahmen des Welterbeprojekts über fast 20 Jahre hinweg entstandenen Projekt-, Machbarkeits- und Realisierungsstudien sei insbesondere im Hinblick auf die Zugänglichkeit des montanhistorischen Ertrags hier nur am Rande gedacht, da deren Publikation in vielen Fällen noch aussteht. Auf die Betreuung der historischen Arbeiten, etwa in der Herausgeberschaft von Arbeiten zum historischen Bergrecht in den Freiberger Forschungsheften der Reihe D sei ebenso verwiesen, wie auf die gemeinsam mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum und dem Industriemuseum Chemnitz herausgegebenen Reihe INDUSTRIEarchäologie – Studien zur Erforschung, Dokumentation und Bewahrung von Quellen zur Industriekultur sowie auf die Freiberger Forschungen zur Wissenschafts- und Technikgeschichte.

Dass Helmuth Albrecht neben seinem industriearchäologischen Tätigkeitsschwerpunkt noch eine Geschichte der TU Bergakademie Freiberg im Spiegel ihrer Jubiläen verfasste, sei besonders erwähnt. Dieses Werk entstand nicht nur aus Anlass des 250. Gründungsjubiläums der Universität im Jahr 2015, sondern es ist wie vielleicht kein zweites Ausdruck für die Fürsorge des Institutsdirektors für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für seine Umsicht und Kollegialität gegenüber dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Das Rektorat der TU Bergakademie Freiberg richtete in der Amtszeit von Magnifizenz Prof. Dr.-Ing. Bernd Meyer ein Doktorandenkolleg ein, in dessen Rahmen in fünf Dissertations- und einem Habilitationsprojekt die Geschichte der TU Bergakademie Freiberg seit ihrer Herauslösung aus dem Sächsischen Oberbergamt 1869 erstmals unter den Vorzeichen einer der parlamentarischen Demokratie verpflichteten Geschichtswissenschaft untersucht wurde. Helmuth Albrecht erzählt die Geschichte der Institution von einem sorgfältig gewählten Ansatzpunkt aus, der zugleich den erfolgreichen – und zum Teil immer noch ausstehenden – Abschluss aller Qualifizierungsarbeiten nicht gefährdet(e). Einen Überblick über die abgeschlossenen Dissertationsvorhaben seit Erlangung des Rechtes der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Bergakademie Freiberg zur Verleihung des Titel Dr. phil. und die am IWTG durchgeführten Forschungsprojekte gab Helmuth Albrecht im Jahr 2016 in zwei Publikationen selbst.

Die Herausforderungen der unmittelbaren Zukunft liegen in der Bewahrung des Erreichten – Welterbe werden ist verschieden von Welterbe sein – und in der Verstetigung der vorgefundenen und ausgebauten Arbeitsmöglichkeiten in Industriearchäologie und Technikgeschichte. Dass Wissenschaftsgeschichte, Kulturgeschichte, Umweltgeschichte, Museologie, Industriedenkmalpflege und Industriekultur dazu fachliche Grundlagen schaffen und diese Angebote disziplinäre wie inter- und transdisziplinäre Forschung und Lehre gleichermaßen ermöglichen wie befördern und daher zu erhalten sind, lässt die Aufgabe nicht geringer erscheinen. Gerade der fühlbare Rückgang entsprechender Lehrstühle und Institute in der wissenschaftshistorischen Forschungslandschaft der Bundesrepublik Deutschland bürdet vergleichsweise kleinen Universitäten wie der TU Bergakademie Freiberg eine wissenschaftspolitische Verantwortung auf, der gerecht zu werden eine permanente Herausforderung darstellt – sowohl im Erhalt umfangreicher wissenschaftlicher als auch wissenschaftshistorisch bedeutender Sammlungen, zudem in der Pflege von Orchideenfächern wie Chemiegeschichte, Geologiegeschichte und nicht zuletzt der Industriearchäologie wie der Technikgeschichte selbst. Die bisherige Leistungsbilanz des Lehrstuhls für Industriearchäologie und Technikgeschichte am Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU Bergakademie Freiberg stellt für die anstehenden wissenschafts- wie hochschulpolitischen Entscheidungen von TU Bergakademie Freiberg wie Freistaat Sachsen eine ermutigende Grundlage dar.

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